Zehn Jahre Badminton-Bundesliga in Lüdinghausen - da gab es viele Höhenund einige Tiefen. Doch das, was sich am Sonntagnachmittag in der Halle des St.-Antonius-Gymnasium abspielte, hat es Lüdinghausen - in dem Jahrzehnt noch nie gegeben. Ovations“ der zahlreichen Zuschauer für eine Mannschaft, die über sich hinauswuchs. Mit 4:2 schlugen die Steverstädter den bis dato verlustpunktfreien Spitzenreiter 1. „Standing BC Bischmisheim. „Das ist einfach sensationell“, freute sich ein völlig aufgekratzter Josche Zurwonne. Dabei hatte der vorgelegt.
Sie machten den Auftakt: Ruud Bosch (l.) und Josche Zurwonne gewannen das erste Herrendoppel gegen Bischmisheim.Fotos:(rau)
Zusammen mit dem Niederländer Ruud Bosch gewann er das erste Doppel gegen die derzeit besten deutschen Ur-Lüdinghauser selbst den Grundstein für den überraschenden Sieg Doppelspieler Michael Fuchs und Johannes Schöttler glatt in zwei Sätzen. „Es lief einfach perfekt“, erklärte Zurwonne. Fast hätte das Damendoppel Karin Schnaase/Selena Piek noch nachlegen können. Doch sie unterlagen knapp in drei Sätzen gegen Emma Wengberg und Olga Konon. Schlag auf Schlag und megaspannend ging es in beiden Herreneinzeln weiter. Nach seiner eher durchwachsenen Leistung am Vortag spielte sich Yuhan Tan im ersten Einzel - wie so oft vor heimischem Publikum - in einen Rausch. Marcel Reuter rang der Belgier in drei Durchgängen nieder. Ebenfalls über drei Sätze ging Vladislav Druzhchenko im zweiten Einzel. Gegen den halb so alten Deutschen Vizemeister Lukas Schmidt zeigte er seine große Klasse im siegreichen ersten Durchgang. Doch dann fehlte dem Ukrainer, der den erkrankten Endra Kurniawan ersetzte, erkältungsbedingt die Luft - und der Bischmisheimer gewann.
„Wenn wir die stärkste Mannschaft aufstellen wollen, können wir Laura nicht mehr berücksichtigen“, sagt Teammanager Schnaase. „Da ist Selena im Mixed einfach besser.“ Was natürlich auch damit zusammenhänge, dass Ufermann als Ärztin voll im Berufsleben stehe und nicht wie ihre Teamkollegen täglich trainieren könne. Er könne verstehen, so Schnaase weiter, dass sie mit dieser Situation unzufrieden sei. Diese sei aber nicht vorhersehbar gewesen: „Vorher wusste keiner, dass Selena so gut ist und wir eine so überragende Saison spielen würden.“Laura Ufermann selbst spricht „von einer schweren Entscheidung, nach den zehn Jahren bei Union. Ich bin eigentlich eine treue Seele“. Sie habe schon vor der Saison wechseln wollen, sei jedoch von Union zum Bleiben überredet worden. „Ich freue mich nun auf die neue Herausforderung“, sagt Ufermann.
Da sich die starke Olga Konon nach langer Verletzung noch nicht fit fühlte, rückte für sie Lisa Heidenreich für Bischmisheim ins Dameneinzel, in dem für Union - wie immer - Karin Schnaase aufschlug. Gegen ihre Zimmergenossin beim Bundeswehr-Lehrgang (die WN berichteten) hatte die Lüdinghauserin in zwei Sätzen keine Probleme. Damit war das ersehnte und erhoffte Unentschieden schon sicher. Doch Ruud Bosch und Selena Piek wollten mehr. Das niederländische Duo spielte sich gegen die deutlich favorisierten Johannes Schöttler und Emma Wengberg in einen Rausch - unterstützt von einem frenetischen Publikum. In drei Sätzen wurde auch dieses Spiel gewonnen, und der Jubel kannte keine Grenzen. „Union-Teammanager Michael Schnaase musste viele Hände schütteln, auch die seiner Sohnes Torsten, der zuvor mit Unions Einfach großartig - die Spiele und das Publikum“, freute sich Ruud Bosch. Und Fußballteam in einem weiteren Spitzenspiel an diesem Tage ebenfalls erfolgreich war.
Mit dem Sieg festigte Union 08 nicht nur den wichtigen dritten Rang in der Bundesliga-Tabelle, der zur Teilnahme an den Play-Off-Spielen um die Deutsche Meisterschaft berechtigt. „Wir haben endlich mal einen der Großen besiegt und wissen, dass wir dort gut mithalten können“, meinte Josche Zurwonne direkt nach der Partie. Jetzt legt das Team des SC Union 08 bis zum 24. Januar eine kleine Winterpause ein - und das mit viel Selbstbewusstsein.