Mit ihrem verwandelten Matchball im dritten Dameneinzel gegen die Dänin Line Kjærsfeldt hat Karin Schnaase von Union Lüdinghausen die deutschen Damen zu ihrem ersten EM-Triumph überhaupt geschlagen. Einen Tag danach habe sie das Erreichte immer noch nicht ganz realisieren können, so die 27-Jährige. Schnaases Vereinskollege Josche Zurwonne kam in Amsterdam nur im Auftaktspiel der deutschen Herren zum Einsatz.
Der Augenblick des Triumphs: Karin Schnaase jubelt nach ihrem finalentscheidenden Matchball gegen die Dänin Line Kjærsfeldt. Foto: dpa
„Es war ein unbeschreibliches Gefühl.“ So ganz fassen konnte Karin Schnaase gestern immer noch nicht, was sie am Sonntagabend in der Amsterdamer Sporthalle Zuid erreicht hat. Ihr verwandelter Matchball gegen Line Kjærsfeldt beim Stand von 23:21, 20:18 bedeutete den ersten Pflichtspiel-Sieg der deutschen Badminton-Damen über den Favoriten und Titelverteidiger Dänemark seit langer Zeit, den ersten EM-Titel für die deutschen Frauen und damit natürlich auch für die 27-jährige Lüdinghauserin selbst.
„Das werden wir wohl alle erst in einigen Tagen richtig realisiert haben“, so Schnaase über das deutsche Team, das bei den vergangenen drei Europameisterschaften jeweils Platz drei geschafft hatte. „Es war ja schon schön, dass wir diesmal im Finale standen, aber wir wollten auch einmal gegen Dänemark gewinnen.“
Die größten Hoffnungen ruhten auf Juliane Schenk, doch die ehemalige Lüdinghauserin verlor das erste Einzel glatt in zwei Sätzen. Dann glich Olga Konon zum 1:1 aus und im Damendoppel schaffte Schenk mit Birgit Michels die Führung fürs deutsche Team. Als Karin Schnaase gegen Kjærsfeldt den Court betrat, war klar, dass die Lüdinghauserin Deutschland zum ersten EM-Triumph schlagen könnte. „Ich war total nervös“, so die 27-Jährige gestern.
Das dritte Einzel war ein Drama für sich. Die Dänin hatte beim Stand von 20:17 drei Satzbälle, doch Schnaase behielt die Nerven, glich aus und holte in der Verlängerung den ersten Satz nach Hause. Am Ende des zweiten Durchgangs führte die Unionistin mit 20:16, hatte vier Matchbälle zum EM-Gewinn, machte zwei Fehler und schlug beim dritten Matchball Deutschland zum Europameister.
Auf ihren Lorbeeren ausruhen will sich die 27-Jährige nun aber nicht. Könnte sie auch gar nicht: Schon morgen fliegt sie nach Wien zu den Austrian International Challenge, wo die Lüdinghauserin an Nummer sieben gesetzt ist. Am Samstag steht sie dann für den Bundesligazweiten Union Lüdinghausen im Ligaspiel beim 1. BC Beuel auf dem Parkett. Wenige Tage danach stehen die German Open an ihrem Trainings- und Wohnort Mülheim an der Ruhr auf dem Programm.
Nicht ganz so gut verliefen die Europameisterschaften für Schnaases Vereinskollegen Josche Zurwonne. Der 22-jährige Lüdinghauser war zum ersten Mal im Nationaltrikot bei einem großen internationalen Turnier dabei und durfte nach dem verlorenen Herrenfinale gegen Dänemark (0:3) auch die Silbermedaille in Empfang nehmen. Selbst kam er aber nur einmal zum Einsatz – gleich im ersten Spiel gegen Israel (5:0), wo Zurwonne im zweiten Herrendoppel mit Peter Käsbauer locker mit 21:11, 21:17 gewann.
„Klar hätte ich gerne ein oder zwei Spiele mehr gespielt, aber der Trainer hat so entschieden“, sagte Zurwonne gestern. „Am Ende bin ich aber stolz darauf, mich mit dem Team für die WM in China qualifiziert zu haben.“
Westfälische Nachrichten, Von CHRISTIAN BESSE